Freitag, 1. Mai 2009

Dienstag der 28.04.2009 Lenkivci

[Falk] „Wir leben nicht, wir existieren.“ Halyna ist heute unser Gastgeber. Wir lernten sie an einer Kreuzung mitten in der Ukraine kennen. Dieser Satz stammt nicht von ihr, sondern von ihrem Onkel, als sie uns ihre Umgebung zeigte. Aber es beschreibt die Lebenssituation dieser Familien auf dem Lande ganz gut. Wir gehen heute mit gemischten Gefühlen ins Bett. Zum einem haben wir wieder einmal die absolute Gastfreundschaft kennen gelernt, zum anderen müssen wir unser Verständnis für Armut neu überdenken. Was ist Armut? Nicht das ich denken würde, dass Halyna und ihre Familie arm sind, dieses Vorurteil hatte ich vielleicht in den ersten 30 Minuten. Außerdem wäre sie auch viel zu stolz, dies auszusprechen. Was ist bitte dann Armut? Ich kann diese Frage heute schlussendlich für mich nicht beantworten. Vielleicht muss ich noch etwas zur gesellschaftlichen Stellung von Halyna schreiben. Sie ist stellvertretende Schulleiterin, wenn ich es richtig verstanden habe. Sie engagiert sich auch noch als Ortsvorsteher. Sie besitzt ein Haus, hat drei Kinder und ein Auto. Das klingt jetzt eigentlich nicht schlecht, aber in ihrem Job verdient sie gerade einmal ungefähr 300 EUR. In der Ukraine ist zwar alles sehr günstig, aber das reicht auch hier nicht zum Überleben. Um über die Runden zu kommen, muss sie ein Feld bestellen. Hier wachsen Kartoffeln, verschiedene Obstbäume, Gemüse und Kräuter. Insgesamt besitzt sie 70 a. Ihr Mann ist bei einem Autounfall verstorben. Sie ist somit seit sechs Jahren allein erziehende Selbstversorgerin. Schicksal? Wenn ich die anderen Häuser hier sehe, würde ich sagen eher Normalität. Bevor Sie eine Pumpe zum Brunnen hatten, benutzten sie eine Regentonne auf einem Gestell mit einem Duschkopf. Ihre Familie hat auch Strom. In diesem Dorf haben viele Familien kein Strom. Trotz allem ist bei ihr alles nicht mit unserem Massstäben zu messen. Ich kann gar nicht sagen, wie improvisiert und einfach die Dinge funktionieren können. Ich bin sehr froh, heute hier Gast sein zu können. In dieser Welt einen Einblick zu bekommen, die ich nicht leben möchte. In der auch viele der Bewohner nicht leben würden, wenn Sie es nicht müssten. Ich kann mich morgen in den Flieger setzen und in die Harz-4-Vollkasko-Heimat zurück fliegen. Wenn hier die Ernte ausfällt, weil z.B. der Regen fehlt, hat eine ganze Familie/Region ein riesengroßes Problem. Halyna ist stolz und dies auch zurecht!

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