Donnerstag, 1. Oktober 2009

Donnerstag, der 01.10.2009, Dengkou

[Falk] The 60th anniversary of the founding of the People's Republic of China national day. Oder auch Chinas Nationaltag - der ist heute. Klingt jetzt erstmal nicht allzu spannend, oder? Ihr habt keine Ahnung. Was wir heute erleben ist echt abgefahren.
Wir wachen auf und sind voller Vorfreude auf diesen Tag. Seit zwei Wochen kommt nichts anderes auf CCTV (dem staatlichen Medienarm des Einparteien Staates), als die Vorbereitungen auf den 60th anniversary of the founding of the People's Republic of China national day. Durch CCTV 9, dem englischsprachigen, staatlichen Medienarm des Einparteien Staates, wissen wir alles! Wir sind bestens informiert. Wir schalten also den Fernseher ein. Natürlich CCTV 9. Die Militärheinis sind schon seit zwei Uhr wach und bereiten sich vor. Die ersten Livebilder dieser Volksperversion strahlen auf unsere müden Augen. Zweihunderttausend Militärs werden an dieser Parade teilnehmen aus allen, wirklich allen, Militärverbänden. Eine vom Tau beschlagene Trompete weckt die armen Armeehansen aus dem Schlaf. Alle sind sofort auf 180 Touren. Gegen drei Uhr werden die Leute für den größten Christopher Street Day geweckt. Natürlich mit einem Marsch aus den Lautsprechern, was sonst? Fernsehen, wenn wir dich nicht hätten. Dann Cut - und der Platz des Himmlischen Friedens wird gezeigt. Dieser ist seit vier Uhr geöffnet und jetzt gegen sechs Uhr schon voll. Teilnehmer aus allen Arbeiterklassen sind gekommen, lernen wir. Wahrscheinlich handverlesen, denken wir.
Dann starten wir in den Tag und essen Müsli, während wir die gesamten Superlative des heutigen Tages visuell serviert bekommen. Ehrlich, da schmeckt das fade Müsli gleich viel besser.
Ich hole unser Bike aus seinem Verlies, die Hoteldamen kichern wieder. Dann kommt Albert zum Auf-Wiedersehen-Sagen. Puhh, wenigstens ein Lichtblick heute. Wir bauen das Fahrrad auf und Katja geht zurück zum Hotel, um die Abrechnung zu machen. In China hinterlegt man immer eine Kaution, die sich je nach dem, was man verbraucht hat, reduziert. Ich schicke nach fünf Minuten Albert hinterher um Katja eventuell zu helfen. Ihr wird eine Rechnung präsentiert, die 120 Yuan Rückgabe enthält. Albert prüft die Rechnung und ohne ein Wort zu sagen, bekommen wir eine neue Rechnung mit 161 Yuan Rückgabewert. Es folgt ein dummer Kommentar der Hotelchefin zu Albert. Der ist wie immer ziemlich ruhig und lässt sie abblitzen. Mann, ist der Typ cool!



Wir verabschieden uns herzlich von Albert und fahren los. Die Straße ist wieder sehr bescheiden. Aber heute sind dafür fast keine Autos oder Lkw unterwegs, wahrscheinlich wegen des the 60th anniversary of the founding of the People's Republic of China national days.
Es läuft alles ziemlich gut und nach 60 km erreichen wir ein kleines Dorf, in dem wir essen wollen. Keine Chance, es ist ja der the 60th anniversary of the founding of the People's Republic of China national day.
Wir fahren weiter und machen unser eigenes Essen. Dann erreichen wir nach 90 km einen etwas größeren Ort, in dem ein Hotel mit Internet schnell gefunden ist. Auch unser Bike steht sicher. Wir verlieren keine Zeit und lassen uns wieder von CCTV 9 beeinflussen.
Diese Bilder sind unglaublich! Was die alles nach Peking gekarrt haben. In Reih und Glied wird die Abnahme des Militärs durch Präsident Hu vorgenommen. „Grüßt euch, Regiment XYZ...“, das mit einem „Grüß dich, oberster General“ (frei übersetzt nach Falk) beantwortet wird. Das geht live und in Farbe bestimmt eine Stunde so. Armer Hu. Zweihunderttausend Leute muss man erst mal abfahren.
Wir gehen erst mal essen und zum Glück gibt es da einen Fernseher. Da verpassen wir nichts! Die Abendveranstaltung beginnt. Das übersteigt unsere Vorstellungskraft. Bunt, grell und 100 Prozent perfekt organisiert. Wir schauen jetzt seit drei Stunden diese imposante Vorstellung und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Komische Gedanken gehen mir durch den Kopf, was man mit dem Geld hätte alles anstellen können... Aber, falsche Zeit darüber nachzudenken. Eine Woche haben jetzt alle Chinesen frei. Außer die, die auf Arbeit angewiesen sind. Die schuften trotzdem!

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