Sonntag, 13. April 2008

Donautour Tag 14

Samstag, 19. Juli 2008 Alsóbélatelep nach Zalaegerszeg

Nachdem wir weitere 30 km am Balaton vobeiziehen ließen, kamen wieder Berge. Diesmal aber in einer anderen Qualitaet. Hoeher und laenger. Wir befinden uns mittlerweile 150 km vor den Alpen. Irgendwann muessen wir ja an Hoehe gewinnen.

Nach 20 km im Bergbetrieb ist uns bei einem Schlaglochausweichmanoever (wahrscheinlich das 100. an diesem Tag), eine Speiche gerissen. In diesem Zusammenhang entstand natuerlich auch eine Riesen-Acht von 5 mm Amplitude im Laufrad. Allem Anschein nach machen sich nach 480 km in Ungarn die Straßen doch am Material bemerkbar. Was tun? Ich war der Meinung, daß ein gut eingespeichtes Laufrad mit einer Rohloff viel aushalten kann und muss. Ich denke, mehr kann man beim Laufradbau nicht beachten. Ich weiss, dass Speichen auch bei einem Rohloffrad reißen koennen, aber es ist schon aergerlich, wenn das nach 1800 km passiert. Ich hatte aus Gewichtsgruenden auf Ersatzspeichen verzichtet. Bis zur naechst groeßeren Stadt sind es 25 km. Das ist in diesen Bergen eine echte Herausforderung. Als wir das gemeistert hatten, war es 14 Uhr und der Radservice, den wir fanden, war schon seit einer Stunde zu. Da es Samstag ist, war unsere Hoffnung dahin unser Bike noch repariert zu bekommen. Auch in Ungarn wird Sonntags nicht gearbeitet und somit war uns bewusst, dass wir bis Montag warten muessen, um unser Bike wieder zu richten. Wir fuhren verzweifelt noch zu einem Intersport, der uns leider auch nicht weiterhelfen konnte. Jeder km mit einem geschwaechten Hinterrad, kann der Tod fuer alle anderen Speichen sein.

Wie jeden Tag schauten sich viele Leute unser Bike an und stellten Fragen. Nur heute hatte ich keine richtige Lust alles zu erklaeren. Ich machte aber allen klar, dass wir momentan ein großes Problem haben und Hilfe benoetigen. Nach einer halben Stunde stand ein Mann mittleren Alters neben dem Bike und fragte, im noch schlechteren Englisch als ich es spreche, ob wir Hilfe benoetigen. Ich erklaerte ihm das Problem und dass wir nicht weiterfahren koennen bzw. moechten. Er fuehrte bestimmt 5 Telefonate, als er dann meinte, dass ein Freund von ihm einen Radladen besitzt und er uns helfen kann. Nach 5 km kamen wir in das Geschaeft (welches am Samstag normalerweise gar nicht auf hat). Hier stand ein sehr hektischer Mann, der sich unserem Problem annahm.

Der Radmensch muss irgendetwas vorgehabt haben, den in einer Windeseile tauschte er die Speiche aus und mache die 8 raus. Dann stellte er noch die Bremse ein und fertig war er. Ein absoluter Profi. Ich fragte ihn, ob er Geld dafuer moechte. Daraufhin gab er uns seine E-Mail Adresse und meinte, wir sollten ihm ein Bild senden, dann passt das schon. Er drueckte uns noch 2 weitere Speichen in die Hand, schloß seinen Laden ab, verabschiedete sich und verschwand schnellen Fußes. Der nette Mann mittleren Alters, der uns diese Connection beschafft hat, gab uns auch seine E-Mail Aresse und fuhr weg. So standen wir nach 10 Minuten ziemlich perplex alleine vor dem Radladen mitten in Zalaegerszeg und unser Bike war anscheinend repariert.

Nach der Reparatur


Nach dem wir unsere 7 Sachen wieder verstaut hatten, fuhren wir los. Nach 10 Metern hatten wir einen Platten. Die Speiche war am Nippelansatz gerissen. Dies bedeutet, dass die Restspeiche noch in dem Nippel war. Der Radmensch muss das gewusst haben. Jedenfalls drehte er die neue einfach rein. Die alte Restspeiche 5 mm lang, drueckte damit auf den Schlauch und durchstieß diesen. Genau in dem Moment, in dem Belastung auf das Rad kam (unser Losfahren), ging die Luft raus. Das also war es, was uns diesen Platten bescherte. Ich bin der Ueberzeugung, dass der Radmensch das wusste, er aber 30 Minuten benoetigt haette, um es richtig zu machen. Also er ist davon ausgegangen, das ich einen Reifen flicken kann und weiss wie die Technik an meinem Bike funktioniert. Es war so getimed, dass sich schnell alle verfluechtigen koennen, bevor wir den Platten bekommen.
Wir hatten bis jetzt noch keinen Platten. Die Technik (Rohloff und Magura Scheibenbremse) war mir unbekannt. Ich hatte mich zwar damit beschaeftigt, aber in der Praxis ist es dann doch immer noch was anderes.



Nach einer weiteren Stunde war dann alles wieder OK. Ich konnte den Rest der Speiche mit der Hand herausdrehen und den Schlauch flicken. Es war dann schon 18 Uhr und wir begaben uns auf die Suche nach einem Schlafplatz fuer die Nacht. Ich bin den beiden, auch wenn ich etwas sauer bin, dankbar fuer die Hilfe.

Wir haben uns fuer einen Pausentag entschieden, denn unsere mueden Knochen haben es dringend noetig. Gerade so kurz vor den uns noch bevorstehenden Alpen kann ein wenig Entspannung sicher nicht schlecht sein. Wir hoffen dennoch, die Alpen in 7 Tagen bezwingen zu koennen.

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