Donnerstag, 18. Juni 2009

Montag, der 15.06.2007, Ganyushkino (Kasachstan)

[Falk] Es ist hier gerade 23 Uhr. Wir sitzen an einem kleinen Fluss, der in etwa vier Kilometern ins Kaspische Meer mündet. Hunderte Frösche freuen sich mit uns, dass wir nach Kasachstan einreisen durften. Wir haben es geschafft, wir sind einen weiteren großen Schritt Richtung China gegangen. Diesmal gab es an der Grenze fast keine Probleme. Auf russischer Seite hat man uns nicht einmal nach unserer Registrierung gefragt. „Sie wollen wirklich ausreisen? Dann können sie aber nicht mehr zurück“. Nur auf der kasachischen Seite war es etwas schwieriger. Hier mussten wir, wie in allen ehemaligen russischen Ländern, eine Migrationskarte ausfüllen. Da Katja einfach die schönere Handschrift hat, darf sie diesen Part für uns übernehmen. Nach einiger Fragerei, wann wir denn rüber dürfen, zeigte ein gelangweilter Grenzer auf 13 Uhr russischer Zeit. Also 45 Minuten in der prallen Sonne sitzen und warten. Nach 15 Minuten hatte er dann doch Erbarmen. Ich wurde von einem Ranghöheren mit Handschlag begrüßt. Frauen gibt man keine Hand. Das machen die Männer übrigens schon seit der Ukraine nicht mehr. Er fragte, ob er sich auf das Fahrrad setzen kann. Ich bot ihm stolz meinen Platz an. Er erreicht kaum meine Pedalen. Normalerweise steigen die Leute nach einer Minute wieder ab. Kaum hatte ich mich versehen, war ein zweiter hinten aufgestiegen und dann wollten die losfahren. Erstes Problem, Liegerad fahren kann man nicht einfach, dass muss man lernen. Tandem fahren sollte man auch schon einmal gemacht haben und mit Gepäck, ist es dann noch mal eine ganz andere Geschichte. Fazit? 37 °C und schweißgebadet vor Angst um unsere Sachen liefen Katja und ich stützend wie es nur irgend ging nebenher. Dann meinten die allen Ernstes, das wir loslassen sollen. Njet, no, nein... Ich zog die Bremse, diese Wirkung überraschte sie ein wenig. Ich versuchte so freundlich wie möglich zu bleiben, Katja verdrehte schon leicht die Augen. Sie liesen ab und bedankten sich. Das Fahrrad stand jetzt 30-40 Meter hinter der Grenze. Dann durften wir zur Grenzkontrolle. Pass, ritsch-ratsch Stempel, fertig. Alles klar, ihr dürft rein. Dann kam der mit den meisten Sternen des Tages, natürlich nur zu mir (Frauen, wer braucht die schon) und gab mir einen Zettel, den ich ausfüllen sollte. Katja musste/durfte am Rad bleiben, nur ich musste mit. Geil, alles auf kyrillisch. Ich schaute ihn an und er schob den Stapel mit den englischen Formularen gekonnt zur Seite. Ich habe kein Wort lesen können. Ich verglich mit der Migrationskarte und füllte alle Felder die ich finden konnte aus. Das reichte etwa für die Hälfte des Antrags. Dann versuchte ich einen der Grenzer, der mit dem Rad gefahren war, zu fragen. Er erbarmte sich dann, nur eben leider auch nicht auf Englisch. Er fragte den Mächtigen, ob er denn nicht doch das englische Formular rausgeben kann? „Njet“. Nach zwei Minuten wurde der hilfsbereite Grenzer woanders hin delegiert. Ich versuchte also weiter diesen Zettel auszufüllen, ohne eine Ahnung zu haben, was ich da tue. Ich gab dem mit den vielen Sternen den Zettel und fragte, ob alles korrekt ausgefüllt sei. Natürlich nicht, das wohin und woher fehlt, Passportnummer...? Leider zeigte er dabei nicht auf die Felder. Schrecklich! Ich habe einen neuen Zettel bekommen. 38 °C... Ich füllte wieder Felder aus. Diesmal standen zwei Einheimische, die auch einreisen wollten da und halfen mir. Nach etwa 40 Minuten durften wir dann endlich weiter. Dieses Formular war die Deklaration für Devisen, obwohl wir noch nicht mal genug zu deklarieren hatten.
Dann, nach drei km die erste Polizeikontrolle... Katja musste mit rein, zur Registrierung. Dann waren wir wirklich in Kasachstan. Nach ein paar weiteren Kilometern standen wir vor einer Kamelherde. Richtig gelesen, einer Kamelherde. Lieber pp.: Ja, es gibt hier Kamele und sorry, dass wir schon wieder am Telefon getrennt wurden. In Atyrau werden wir uns eine kasachische SIM-Karte holen.
Den ganzen Tag hatte wir übrigens Gegenwind. Wir sind um 6:10 Uhr gestartet und waren gegen 21:00 Uhr an einer kleinen Gastinitsa in Kasachstan. Ein sehr aufreibender Tag geht nun zu Ende, aber wir sind glücklich. Mittlerweile sind es vier Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Gute Nacht...

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